{"id":1,"date":"2025-12-10T20:58:14","date_gmt":"2025-12-10T19:58:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.rothreis.de\/?p=1"},"modified":"2025-12-20T13:17:09","modified_gmt":"2025-12-20T12:17:09","slug":"bettinas-weihnachtsbrief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rothreis.de\/index.php\/2025\/12\/10\/bettinas-weihnachtsbrief\/","title":{"rendered":"Bettinas Weihnachtsbrief 2025"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frankenwinheim, den 18.12.2025<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Liebe Freunde,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">mein Tag beginnt gut, wenn ich vor dem Aufstehen schon mal eine halbe Stunde lesen kann und dabei einen Espresso trinke, den Martin seit vielen Jahren f\u00fcr unseren Tagesbeginn ans Bett bringt. Diesmal war es der Artikel \u201eLob der kleinen Schritte\u201c aus der aktuellen \u201eDie Zeit\u201c in dem ich auf einen Widerhall von Gedanken stie\u00df, die mich in diesem Jahr besonders bewegt haben. Petra Pinzler analysiert, wie das Beschw\u00f6ren der nahenden \u00d6kokatastrophe den Blick auf die vielen Erfolge erschwert und die Menschen mutlos mache. Die Hoffnungen auf den besseren Menschen, auf f\u00e4higere Politiker, auf ein Ende des Kapitalismus w\u00e4ren vergeblich, aber es gibt viele kleine Taten, die eine besondere Kraft haben. Sie zitiert als m\u00f6gliche Haltung einen Rat des Neurologen Dr. Volker Busch (auch bekannt von seinem wirklich h\u00f6renswerten Podcast \u201eGehirn-geh\u00f6rt\u201c): \u201enicht Pessimismus, nicht Optimismus, sondern Possibilismus: Schauen, was gerade m\u00f6glich ist, und es dann tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eSchauen, was gerade m\u00f6glich ist, und es dann tun.\u201c Eigentlich entspricht das genau dem Appell Rio Reisers von unserer Weihnachtskarte: \u201eWann, wenn nicht jetzt? Wo, wenn nicht hier? Wie, wenn ohne Liebe? Wer, wenn nicht wir?\u201c Genau so verstehe ich das Leben und versuche danach zu handeln. In kleinen Schritten, mit dem, was mir m\u00f6glich ist. Ich registriere in meinem direkten Umfeld die Herausforderungen und Probleme und f\u00fchle mich angesprochen, meinen Teil zu einer L\u00f6sung beizutragen. Beim Neujahrsempfang der Gemeinde durfte ich im Januar unseren Pfarrer vertreten und habe in meiner Rede meine Haltung \u201eJa\u201c zu sagen und mich zu engagieren dargestellt und dabei aufgezeigt, dass ein Gelingen von Gemeinschaft immer ein Zusammenspiel von vielen Menschen ben\u00f6tigt. So sind beispielsweise in unserer Pfarrgemeinde mit 573 katholischen Christen \u00fcber 80 Personen in verschiedensten Aufgabenbereichen t\u00e4tig, von den K\u00fcstern \u00fcber die Blumenschm\u00fcckerinnen, Kirchenputzerinnen und so viel mehr bis zu den 33 MinistrantInnen. Sie alle sagen immer wieder \u201eJa\u201c zur \u00dcbernahme von Verantwortung und tragen zum Gemeinwohl bei.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Haltung m\u00f6chte ich mir nicht nehmen lassen, auch nicht das Gef\u00fchl von Sinnstiftung und Erf\u00fcllung, das erfahren werden kann, wenn wir das tun, was uns m\u00f6glich ist. 2026 werden es beispielsweise 20 Jahre, dass wir im Team die KLJB neu gegr\u00fcndet haben und Jugendarbeit f\u00fcr alle Kinder unseres Dorfes anbieten. In dieser Zeit waren \u00fcber 140 Kinder bei Gruppenstunden, Altpapiersammeln, Wochenenden, Faschingstanz, Theaterspielen, Eislaufen und vielem mehr dabei und trotz Corona und der Schwierigkeit f\u00fcr jeden von uns, daf\u00fcr Zeit zu er\u00fcbrigen, machen wir weiter.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Aktivit\u00e4ten sind mit Aufwand und Arbeit verbunden, so wie jedes Fest, zu dem wir einladen, erstmal Planung, Vorbereitung und Kosten bedeutet, dann aber im gemeinsamen Feiern seine Kr\u00f6nung erlebt. Martin und die Jungs bereiten gerade das \u201eFetzen\u201c-Konzert mit den \u201eVorgl\u00fchern\u201c, der Band von Benjamin, Valentin, Jonathan und Martin als Vorband vor \u201eSTOFF\u201c, der Kombo von Salomon und Fridolin mit ihren Freunden f\u00fcr den 20.12. vor. Auch da sind jede Menge Aktivit\u00e4t und Proben n\u00f6tig, um einen gelungenen Gig hinzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir konnten einige Feiern in diesem Jahr ausrichten und miterleben, was wunderbare Gelegenheiten f\u00fcr Begegnungen bot. Die Freiluftsaison haben wir mit einem Hoffest an meinem Geburtstag begonnen, Hofkonzerte durchgef\u00fchrt und dann die drei Abschl\u00fcsse von Magdalena, Jonathan und Salomon zusammen gefeiert. Au\u00dferdem haben wir 2025 die kulturellen Angebote in der Umgebung intensiv wahrgenommen und waren auf mehr als 22 Theaterauff\u00fchrungen, Musicals oder Konzerten. Mit \u201eAnatevka\u201c am Mainfrankentheater am 21.12. g\u00f6nnen wir uns noch ein besonderes Erlebnis vor Weihnachten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Immer wieder hat mich dabei in diesem Jahr die H\u00f6lle des Nationalsozialismus, die Verf\u00fchrung des Faschismus und der Abgrund der Judenvernichtung, sowie die systematische Ausl\u00f6schung als \u201eunwert\u201c bezeichneter Menschen besch\u00e4ftigt. Vermutlich spielt, neben dem 80. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager und meiner Ausbildung zur Trauerbegleitung, die erschreckende Verd\u00fcsterung der amerikanischen Demokratie durch kleptokratische Tendenzen eine Rolle. Dabei waren diese Themen nicht nur im Theater und Museum, sondern in vielen unterschiedlichen B\u00fcchern und dann besonders in unserem gemeinsamen Besuch in Auschwitz pr\u00e4sent. \u201eKaltes Krematorium\u201c, ein Bericht des ungarischen Journalisten J\u00f3sef Debreczeni aus Auschwitz, das 70 Jahre nahezu vergessen war, ist eine Reportage des Schreckens und hat mich tief beeindruckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade die Besch\u00e4ftigung mit den Themen Tod, Verlust und Trauer ist f\u00fcr mich kein deprimierender D\u00e4mpfer meiner Lebensfreude, sondern l\u00e4sst mich die Kostbarkeit des Augenblicks, die Bedeutung von Verbundenheit und Liebe umso tiefer erfahren und wertsch\u00e4tzen. Und in meinem Umfeld m\u00f6chte ich deshalb weiterhin \u201eschauen was m\u00f6glich ist und es dann tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Charlie<\/strong> (7), unser Schnoodle, lebt ein wundervolles Hundeleben und ist ein Meister der Entspannung, der Mu\u00dfe und der Gelassenheit. Mit Abstand bekommt er die meisten Streicheleinheiten in der Familie und erfreut uns alle mit seinem unmittelbarem Gegenwartsbezug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Benjamin<\/strong> (16) hat in diesem Sommer die 10. Klasse des Gymnasiums in Gerolzhofen beendet und ist nun in der 11. in Wiesentheid. Dort spielt er in der Rockband der Schule am Bass und am Schlagzeug. Im Februar hatte er f\u00fcr Schlagwerk das Leistungsabzeichen silber mit sehr gutem Erfolg absolviert. Ab und zu setzt er sich ans Klavier, gerade allerdings muss er Fridolin bei STOFF am Schlagzeug vertreten, insofern ist das Trommeln gerade deutlich h\u00f6rbarer. Zu einer gro\u00dfen Leidenschaft Benjamins hat sich Volleyball entwickelt, wof\u00fcr er normalerweise dreimal w\u00f6chentlich trainiert, au\u00dfer die Jugendfeuerwehr \u00fcbt am Montag f\u00fcr einen Leistungstest. Er ist nach wie vor im Team der Oberministranten aktiv und hat auch bei der KLJB nach seiner Gruppenleiterschulung in den Faschingsferien mehr Verantwortung \u00fcbernommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Valentin<\/strong> (19) brennt ebenfalls f\u00fcr die Musik und es ist eine tolle M\u00f6glichkeit f\u00fcr alle, direkt hier im Haus einen Proberaum nutzen zu k\u00f6nnen. Er sitzt oft am Klavier, spielt Bekanntes oder improvisiert, nimmt daf\u00fcr noch Unterricht, ebenso wie f\u00fcr E-Bass, hat aber ebenso seine F\u00e4higkeiten der Begleitung von Songs mit der Gitarre vertieft. In der Fachakademie f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik in Schweinfurt ist er im 3. Jahr seiner Ausbildung zum Erzieher und froh, mit dem heutigen Tag die letzte Klausur vor den Weihnachtsferien in einem Strudel von Unterrichtsvorbereitungen, Schulaufgaben und Referaten nun geschrieben zu haben. Nat\u00fcrlich sind regelm\u00e4\u00dfige Treffen und Aktivit\u00e4ten mit seinen Freunden sehr wichtig und nehmen immer wieder Raum ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Salomon<\/strong> (21) hat im Sommer seine Ausbildung zur Pflegefachkraft an der Uniklinik in W\u00fcrzburg beendet und arbeitet nun dort auf einer Station der Neurologie. Er wohnt weiterhin in Gromb\u00fchl mit seinem Kumpel, seine Freundin lebt ganz in seiner N\u00e4he und er kommt wegen seiner Schichtarbeitszeiten bei uns in Frankenwinheim sehr unregelm\u00e4\u00dfig vorbei. Salomon spielt Klavier, E-Bass und produziert vor allem Musik. Regelm\u00e4\u00dfig unternimmt er Kurztrips mit seinen Freunden, so beispielsweise nach Amsterdam und Wien in diesem Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Fridolin<\/strong> (23) erlebt sein 5. Semester, das Praxissemester, gerade an der Universit\u00e4t in Montevideo in Uruguay. Dort ist er seit Mitte August, hat zuerst in einer Molkerei bei der K\u00e4seherstellung gearbeitet und konnte gl\u00fccklicherweise in eine Arbeitsgruppe im Bereich Festk\u00f6rperphysik einsteigen. Sein Zimmer in Coburg ist untervermietet und im M\u00e4rz wird er dorthin zur\u00fcckkehren. In S\u00fcdamerika nimmt er sich neben der Uni Zeit f\u00fcr Sport und Musik und vor allem f\u00fcr seine Freunde dort aus dem Austauschjahr vor sechs Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jonathan<\/strong> (26) hat im Sommer seine Ausbildung zum Modedesigner erfolgreich abgeschlossen. Ein besonderes Erlebnis f\u00fcr uns alle war die Modenschau in Mannheim zur Pr\u00e4sentation der Abschlussarbeiten seines Jahrgangs, bei der unser diesj\u00e4hriges Weihnachtsfoto entstand. Er zog dann zur\u00fcck nach Frankenwinheim und hat sich dort eine Atelierecke eingerichtet, w\u00e4hrend er gerade als Ankleider am Mainfrankentheater in W\u00fcrzburg in eine ganz besondere Arbeitswelt eintaucht. So kann er die \u201eVorgl\u00fcher\u201c noch intensiver musikalisch unterst\u00fctzen und pflegt seine Freundschaften und die Familienbande.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Magdalena<\/strong> (28) war mit ihrem Freund Max in den Faschingsferien f\u00fcr eine Woche mit dem Nachtzug in Rom. Zuvor wurde ihre Fehlsichtigkeit durch das Einsetzen zus\u00e4tzlicher Linsen dauerhaft korrigiert, was f\u00fcr sie den willkommenen Abschied von Brille und Kontaktlinsen bedeutete. Magdalena konnte im Sommer ihr Referendariat beenden und sich f\u00fcr eine Stelle in M\u00fcnchen bewerben. Sie wurde tats\u00e4chlich dem gew\u00fcnschten Gymnasium zugeordnet und erlebt nun den \u201enormalen\u201c Schulalltag mit gro\u00dfen Klassen und Klassenleitung einer 5. Klasse. Zuvor mussten sie und Max nat\u00fcrlich erstmal eine Wohnung finden und haben den Umzug Anfang September sehr gut hinbekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Martin<\/strong> (58) verbringt viel Zeit in der Schule und gestaltet die Au\u00dfenstelle Gerolzhofen mit Freude und Initiative. Dar\u00fcberhinaus ist er nach wie vor gerne Lehrer und hat neue Ideen von Magdalena immer mit Neugier aufgegriffen. In diesem Jahr haben wir unseren 29. Hochzeitstag in Regensburg gefeiert und uns immer wieder Zeit f\u00fcr Kultur nehmen k\u00f6nnen. Nat\u00fcrlich gibt es f\u00fcr Martin fortlaufend Arbeiten in Haus und Hof, er nimmt Charlie regelm\u00e4\u00dfig mit in die Schule und besonders gef\u00e4llt ihm das Musizieren mit den Jungs oder mit SongTimes. Wenn Martins E-Gitarre am Abend erklingt, ist es f\u00fcr ihn ein guter Tagesbeschluss. Daneben machen wir weiterhin Pilates und gehen ins Fitnessstudio, nur leider plagt Martin gerade eine Entz\u00fcndung der Achillessehne, die nur sehr langsam heilt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bettina<\/strong> (56): Meine Leidenschaft gilt immer noch dem Lesen und ich bin zufrieden, wenn ich mir daf\u00fcr ausreichend Zeit nehme. Die Einblicke in fremde Leben erf\u00fcllen mich, \u00f6ffnen mir die Augen und zeigen mir neue Perspektiven. Auch f\u00fcr meine FreundInnen m\u00f6chte ich immer Zeit finden, desgleichen f\u00fcr den Austausch mit Martin und den Kindern. Ich f\u00fchre ein wirklich reiches, gesegnetes Leben und habe dadurch Ressourcen, mich f\u00fcr die Bewohner des Wohnstiftes, aber auch in der Kirchengemeinde und im Dorf zu engagieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insofern blicke ich zuversichtlich in das Neue Jahr und w\u00fcnsche uns allen, dass wir dem Possibilismus eine Chance geben und im Bereich unserer M\u00f6glichkeiten die Potentiale f\u00fcr Ver\u00e4nderung erkennen und das unsere beitragen, also \u201eschauen, was gerade m\u00f6glich ist, und es dann tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"215\" src=\"http:\/\/www.rothreis.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unterschrift-Bettina-300x215.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-43\" srcset=\"https:\/\/www.rothreis.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unterschrift-Bettina-300x215.png 300w, https:\/\/www.rothreis.de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Unterschrift-Bettina.png 457w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frankenwinheim, den 18.12.2025 Liebe Freunde, mein Tag beginnt gut, wenn ich vor dem Aufstehen schon mal eine halbe Stunde lesen kann und dabei einen Espresso trinke, den Martin seit vielen Jahren f\u00fcr unseren Tagesbeginn ans Bett bringt. 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